Wohngebäudeversicherung: Der große Ratgeber

Modernes Haus unter einer schützenden Kuppel mit Symbolen für Feuer, Wasser und Sturm

Die Wohngebäudeversicherung ist für Hauseigentümer die wichtigste Versicherung überhaupt. Sie schützt dein Haus vor den finanziellen Folgen von Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel und kann im Ernstfall den kompletten Wiederaufbau bezahlen. Doch was genau ist versichert, was kostet der Schutz und welche Zusatzbausteine brauchst du wirklich? Versicherungsexperte Dennis Becker erklärt dir in diesem Ratgeber alles Wichtige rund um die Wohngebäudeversicherung, von den Leistungen über die Kosten bis zum richtigen Verhalten im Schadensfall.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Wohngebäudeversicherung sichert dein Gebäude und alles, was fest damit verbunden ist.
  • Versichert sind im Grundschutz die Gefahren Feuer, Leitungswasser sowie Sturm und Hagel.
  • Elementarschäden wie Überschwemmung sind nur mit einem Zusatzbaustein abgedeckt.
  • Im Schnitt kostet die Versicherung 200 bis 400 Euro pro Jahr, je nach Haus und Leistungen.
  • Eine gesetzliche Pflicht gibt es nicht, bei einer Baufinanzierung verlangt die Bank sie aber.

Was ist eine Wohngebäudeversicherung?

Eine Wohngebäudeversicherung schützt dich als Eigentümer vor den Kosten von Schäden am Gebäude. Versichert ist das Haus selbst mit allem, was fest mit ihm verbunden ist: Mauern, Dach, Decken, Fenster, Türen, Treppen, die Heizungsanlage, fest verlegte Bodenbeläge und eingebaute Sanitäranlagen. Auch Garage, Carport und Nebengebäude auf dem Grundstück sind in der Regel mitversichert.

Nicht zur Wohngebäudeversicherung gehört dein beweglicher Hausrat. Möbel, Teppiche, Kleidung und Elektrogeräte sichert die Hausratversicherung ab. Die einfache Faustregel lautet: Alles, was du bei einem Umzug mitnehmen würdest, ist Hausrat. Alles, was im Haus bleibt, gehört zum Gebäude.

Tritt ein versicherter Schaden ein, übernimmt die Versicherung die Reparatur oder im Extremfall den kompletten Wiederaufbau. Damit schützt sie den größten Vermögenswert vieler Menschen, das eigene Haus, vor dem finanziellen Ruin.

Welche Gefahren sind versichert?

Der Grundschutz jeder Wohngebäudeversicherung deckt drei große Gefahrengruppen ab. Diese Tabelle zeigt dir, welche Schäden dazugehören.

GefahrVersicherte Schäden
FeuerBrand, Blitzschlag, Überspannung durch Blitz, Explosion, Implosion
LeitungswasserRohrbruch, austretendes Leitungswasser, Frostschäden an Rohren
Sturm und HagelSturm ab Windstärke 8, abgedeckte Dächer, Hagelschäden

Beim Feuer sind Brand, Blitzschlag, Explosion und Implosion sowie die Überspannung durch Blitz versichert. Bei Leitungswasser zahlt die Versicherung Schäden durch Wasser, das bestimmungswidrig aus Rohren austritt. Und beim Sturm gilt: Versichert sind Schäden ab Windstärke 8, das entspricht 62 Kilometern pro Stunde. Welche Leistungen im Detail dazugehören, liest du im Ratgeber Was deckt die Gebäudeversicherung ab.

Welche Schäden zahlt die Wohngebäudeversicherung?

Die Wohngebäudeversicherung leistet bei ganz unterschiedlichen Schäden am Haus. Ein paar typische Beispiele zeigen, wie breit der Schutz ist:

  • Ein Rohrbruch durchnässt Wände und Böden, die Versicherung zahlt Reparatur, Leckortung und Trocknung.
  • Ein Sturm deckt das Dach ab, die Versicherung übernimmt die Reparatur samt eindringendem Regen als Folgeschaden.
  • Ein Blitzschlag setzt das Haus in Brand, die Versicherung trägt den Wiederaufbau.
  • Ein Hagelschlag zerbeult Dach, Fassade und Rollläden, auch das ist versichert.

Auch viele Folgekosten sind versichert, etwa Aufräum- und Abbruchkosten oder der Mietausfall, wenn das Haus unbewohnbar ist. Mehr zu den einzelnen Schadensarten und was die Versicherung jeweils zahlt, findest du im Ratgeber zum Wasserschaden. Spezielle Fälle wie ein Marderschaden, Schimmel nach einem Wasserschaden oder ein undichtes Dach haben dabei ihre eigenen Regeln, die du gezielt nachlesen kannst.

Wichtige Zusatzbausteine

Den Grundschutz solltest du zusätzlich mit einigen Bausteinen ergänzen, denn ein paar wichtige Gefahren sind nicht automatisch im Versicherungsschutz enthalten. Diese Erweiterungen sind besonders sinnvoll:

  • Elementarschäden: Überschwemmung, Starkregen, Rückstau, Erdrutsch, Erdbeben und Schneedruck sind nur mit dem Elementarschutz abgedeckt. Diese Elementarschadenversicherung wird mit dem Klimawandel immer wichtiger und sichert dich gegen wachsende Risiken durch Unwetter ab.
  • Grobe Fahrlässigkeit: Ohne diesen Einschluss kann die Versicherung die Leistung kürzen, wenn du den Schaden grob fahrlässig verursacht hast. Mit ihm zahlt sie trotzdem.
  • Unterversicherungsverzicht: Damit übernimmt die Versicherung die vollen Kosten bis zur Versicherungssumme, selbst wenn diese zu niedrig angesetzt war.
  • Photovoltaik und Glas: Eine Solaranlage auf dem Dach oder eine Glasversicherung lassen sich ebenfalls einschließen.

Gerade der Elementarschutz und der Verzicht auf den Unterversicherungseinwand machen einen guten Tarif aus. Ein Billigtarif spart oft genau an diesen Punkten.

Was kostet eine Wohngebäudeversicherung?

Im Durchschnitt zahlst du für eine solide Wohngebäudeversicherung etwa 200 bis 400 Euro pro Jahr. Ein Basistarif startet bei rund 140 Euro, ein umfassender Schutz mit Elementar kann 800 Euro und mehr kosten. Die Höhe der Beiträge hängt von mehreren Faktoren ab: von der Größe und dem Baujahr des Hauses, von der Lage, der Ausstattung und vom gewählten Leistungsumfang.

Weil die Unterschiede zwischen den Versicherern enorm sind, lohnt sich ein Vergleich besonders. Für die gleiche Leistung verlangen Anbieter sehr unterschiedliche Prämien. Wie sich der Beitrag im Detail zusammensetzt und wie du sparst, liest du im Ratgeber zu den Gebäudeversicherung Kosten.

Wie wird der Beitrag berechnet?

Grundlage für den Beitrag ist die Versicherungssumme. Die meisten Versicherer berechnen sie über den gleitenden Neuwert und den sogenannten Wert 1914, einen fiktiven Baupreis aus dem Jahr 1914. Über den jährlichen Anpassungsfaktor wird dieser Wert an die aktuellen Baukosten angepasst.

Der Vorteil: Im Schadensfall bekommst du den vollen Neuwert, also genug Geld für den Wiederaufbau zu heutigen Preisen. Wichtig ist, dass die Versicherungssumme stimmt. Ist sie zu niedrig, droht im Schadensfall eine Kürzung wegen Unterversicherung (§ 75 VVG). Achte deshalb darauf, dass Wohnfläche und Ausstattung korrekt erfasst sind.

Ist eine Wohngebäudeversicherung Pflicht?

Eine gesetzliche Pflicht zur Wohngebäudeversicherung gibt es in Deutschland nicht. Du entscheidest als Eigentümer selbst, ob du dein Haus versicherst. Sobald du eine Immobilie aber über eine Bank finanzierst, wird die Versicherung faktisch zur Pflicht: Fast jede Bank verlangt den Nachweis einer Police als Sicherheit für den Kredit.

Unabhängig davon ist die Wohngebäudeversicherung für jeden Hausbesitzer dringend zu empfehlen, denn ohne sie trägst du jeden Schaden selbst. Mehr dazu, wann der Schutz Pflicht wird, liest du im Ratgeber Gebäudeversicherung Pflicht.

Für wen ist die Wohngebäudeversicherung sinnvoll?

Sinnvoll ist die Wohngebäudeversicherung für jeden, der ein Haus besitzt, ob selbst genutzt oder vermietet. Schon ein einziger größerer Schaden kann die Existenz bedrohen, denn der Wiederaufbau eines Hauses kostet schnell mehrere Hunderttausend Euro.

Vermietest du dein Haus, profitierst du doppelt: Du schützt dein Eigentum und kannst die Beiträge über die Nebenkosten auf den Mieter umlegen. Auch steuerlich kann sich die Police lohnen, wenn du das Gebäude vermietest. Wie du sie absetzt, erklärt der Ratgeber Gebäudeversicherung von der Steuer absetzen.

Beim Hauskauf und Eigentümerwechsel

Kaufst du ein Haus, läuft die bestehende Wohngebäudeversicherung nicht aus, sondern geht auf dich über. Als neuer Eigentümer wirst du Versicherungsnehmer, sobald du im Grundbuch stehst. Du hast dann innerhalb eines Monats ein Sonderkündigungsrecht und kannst den Vertrag übernehmen oder einen eigenen abschließen. Mehr dazu, wer in der Übergangszeit zahlt und welche Risiken bestehen, liest du in den Ratgebern zum Eigentümerwechsel und zur Frage, wer bis zum Grundbucheintrag zahlt.

Wohngebäude- oder Hausratversicherung?

Wohngebäude- und Hausratversicherung werden oft verwechselt, decken aber unterschiedliche Dinge ab. Die Wohngebäudeversicherung sichert das Gebäude und alles, was fest verbaut ist. Die Hausratversicherung schützt deine beweglichen Sachen in der Wohnung.

Ein Beispiel macht es klar: Bricht ein Rohr und durchnässt die Wand, zahlt die Wohngebäudeversicherung die Sanierung der Wand. Werden dabei auch deine Möbel beschädigt, kommt die Hausratversicherung dafür auf. Als Eigentümer eines selbst genutzten Hauses brauchst du in der Regel beide Versicherungen.

Im Schadensfall richtig handeln

Tritt ein Schaden ein, zählt schnelles und richtiges Handeln. So sicherst du deinen Anspruch:

  1. Schaden begrenzen: Stoppe die Ursache, drehe zum Beispiel den Haupthahn zu, dazu bist du gesetzlich verpflichtet (§ 82 VVG).
  2. Dokumentieren: Halte alle Schäden mit Fotos und Videos fest, bevor du aufräumst.
  3. Melden: Informiere deinen Versicherer unverzüglich (§ 30 VVG) und schildere den Hergang wahrheitsgemäß.
  4. Abstimmen: Lass größere Reparaturen erst nach Rücksprache mit dem Versicherer ausführen.

Wie du bei den häufigsten Schäden konkret vorgehst, erklären die Ratgeber zum Sturmschaden und zum Wasserschaden.

Wohngebäudeversicherung wechseln oder kündigen

Deine Wohngebäudeversicherung ist nicht in Stein gemeißelt. Ist der Beitrag gestiegen oder fehlen wichtige Leistungen, kannst du den Anbieter wechseln. Die ordentliche Kündigung ist mit drei Monaten Frist zum Ende des Versicherungsjahres möglich, bei einer Beitragserhöhung sogar mit einem Monat per Sonderkündigungsrecht.

Wichtig ist die richtige Reihenfolge: Erst den neuen Vertrag abschließen, dann den alten kündigen, damit kein Schutz fehlt. Wie das genau funktioniert, liest du in den Ratgebern Gebäudeversicherung kündigen und Gebäudeversicherung wechseln.

Versicherungsexperte Dennis Becker

Tipp von Dennis BeckerDie Wohngebäudeversicherung ist kein Produkt, bei dem du am Preis sparen solltest. Achte auf Elementarschutz, grobe Fahrlässigkeit und einen Unterversicherungsverzicht. Diese drei Punkte entscheiden im Schadensfall über mehrere Tausend Euro. Vergleiche Leistung und Preis am besten im Gebäudeversicherung Vergleich.

Häufige Fragen

Was ist in der Wohngebäudeversicherung versichert?

Das Gebäude und alles, was fest mit ihm verbunden ist: Mauern, Dach, Fenster, Türen, Heizung, fest verlegte Böden sowie oft Garage und Nebengebäude. Dein beweglicher Hausrat gehört zur Hausratversicherung.

Welche Gefahren deckt die Wohngebäudeversicherung ab?

Im Grundschutz Feuer, Leitungswasser sowie Sturm und Hagel. Elementarschäden wie Überschwemmung sind nur mit einem Zusatzbaustein versichert.

Was kostet eine Wohngebäudeversicherung?

Im Schnitt 200 bis 400 Euro pro Jahr. Ein Basistarif startet bei rund 140 Euro, umfassender Schutz mit Elementar kann 800 Euro und mehr kosten.

Ist eine Wohngebäudeversicherung Pflicht?

Gesetzlich nein. Bei einer Baufinanzierung verlangt die Bank sie aber fast immer als Sicherheit.

Was ist der Unterschied zur Hausratversicherung?

Die Wohngebäudeversicherung sichert das Gebäude, die Hausratversicherung deine beweglichen Sachen wie Möbel und Elektrogeräte.

Fazit

Die Wohngebäudeversicherung schützt dein Haus vor den finanziellen Folgen von Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel und ist für jeden Eigentümer unverzichtbar. Achte beim Abschluss auf einen guten Leistungsumfang mit Elementarschutz, grober Fahrlässigkeit und Unterversicherungsverzicht, denn genau hier entscheidet sich die Qualität. Weil sich die Tarife stark unterscheiden, lohnt sich ein Vergleich vor jedem Abschluss. So sicherst du dein Haus zum fairen Preis umfassend ab.

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