Auf deiner Police zur Wohngebäudeversicherung steht eine merkwürdige Zahl: der Wert 1914. Diese Rechengröße ist die Basis für deine Versicherungssumme und damit für deinen Beitrag. Versicherungsexperte Dennis Becker erklärt dir, was der Wert 1914 bedeutet, wie sich daraus die Versicherungssumme und der Neubauwert deines Hauses ergeben und wie du eine teure Unterversicherung sicher vermeidest.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Wert 1914 ist eine fiktive Rechengröße, die den Gebäudewert in Goldmark von 1914 angibt.
- Aus dem Wert 1914 und dem aktuellen Baupreisindex berechnet sich die Versicherungssumme.
- Beim gleitenden Neuwert passt sich die Versicherungssumme jedes Jahr an die Baupreise an.
- Ist die Versicherungssumme zu niedrig, kürzt der Versicherer im Schadensfall (Unterversicherung).
- Ein Unterversicherungsverzicht schützt dich vor dieser Kürzung.
Was ist der Wert 1914?
Der Wert 1914 ist eine fiktive Rechengröße der Versicherungswirtschaft. Er gibt an, was dein Gebäude im Jahr 1914 in Goldmark gekostet hätte. Dieses Jahr wurde gewählt, weil es in Deutschland die letzten stabilen Baupreise vor der Inflation gab und die Währung damals goldgedeckt war.
Der Sinn dahinter: Statt jedes Jahr mit schwankenden Euro-Werten zu rechnen, nutzt die Wohngebäudeversicherung den festen Wert 1914 als Anker. Über einen Index lässt sich daraus jederzeit der aktuelle Neubauwert deines Hauses ermitteln, ganz ohne dass du den Vertrag ständig anpassen musst.
Wie wird die Versicherungssumme berechnet?
Die Versicherungssumme ist der heutige Neubauwert deines Hauses. Sie berechnet sich aus dem Wert 1914 und dem aktuellen Baupreisindex nach einer einfachen Formel:
Versicherungssumme = Wert 1914 × Baupreisindex ÷ 100
Ein Beispiel: Beträgt der Wert 1914 deines Hauses 15.000 Mark und liegt der Baupreisindex bei rund 1.800, ergibt sich ein Neubauwert von etwa 270.000 Euro. Diese Summe ist der Betrag, den die Versicherung im Totalschaden für den Wiederaufbau zahlen würde. Den Wert 1914 selbst ermittelt der Versicherer aus den Merkmalen deines Hauses wie Größe, Bauweise, Baujahr und Ausstattung.
Der gleitende Neuwert und der Anpassungsfaktor
Die meisten Verträge laufen zum gleitenden Neuwert. Das bedeutet: Die Versicherungssumme passt sich jedes Jahr automatisch an die gestiegenen Baupreise an. So ist sichergestellt, dass im Schadensfall immer genug Geld für den Wiederaufbau zur Verfügung steht.
Möglich macht das der Anpassungsfaktor, auch gleitender Neuwertfaktor genannt. Er wird jährlich neu festgelegt und bestimmt deine Beitragsanpassung. Der Anpassungsfaktor setzt sich zu 80 Prozent aus dem Baupreisindex und zu 20 Prozent aus dem Tariflohnindex für das Baugewerbe zusammen. Steigen die Baupreise, steigt also auch dein Beitrag ein Stück mit. Mehr dazu, wie sich dein Beitrag insgesamt zusammensetzt, liest du im Ratgeber zu den Gebäudeversicherung Kosten.
Wer legt den Baupreisindex fest?
Der Baupreisindex wird vom Statistischen Bundesamt jährlich veröffentlicht. Er zeigt, wie sich die Baukosten für Neubauten entwickelt haben. Für die Versicherungssumme wird der Wert 1914 mit dem aktuellen Baupreisindex multipliziert, so erhältst du den heutigen Neubauwert deiner Immobilie. Weil das Statistische Bundesamt den Index jährlich anpasst, steigt die Summe mit den Baupreisen, und deine Versicherung bleibt im Schadensfall ausreichend hoch.
Wert 1914 oder Wohnflächentarif?
Es gibt zwei Wege, die Versicherungssumme zu bestimmen. Beim klassischen Weg über den Wert 1914 erfasst der Versicherer die Merkmale deines Gebäudes genau. Beim moderneren Wohnflächentarif genügt die Angabe der Wohnfläche in Quadratmetern, der Versicherer berechnet den Schutz dann pauschal pro Quadratmeter.
Der Wohnflächentarif ist einfacher, der Weg über den Wert 1914 oft genauer. Wichtig ist in beiden Fällen, dass die Angaben zu Größe und Ausstattung deiner Immobilie stimmen, denn sie entscheiden über die richtige Versicherungssumme.
Unterversicherung: die Gefahr bei falschem Wert
Ist die Versicherungssumme niedriger als der tatsächliche Neubauwert, liegt eine Unterversicherung vor. Die Folge ist unangenehm: Im Schadensfall kürzt der Versicherer die Entschädigung anteilig (§ 75 VVG).
Ein Beispiel macht es deutlich: Beträgt die Versicherungssumme nur 80 Prozent des tatsächlichen Werts, bekommst du auch bei einem Teilschaden nur 80 Prozent der Kosten erstattet. Bei einem Schaden von 50.000 Euro wären das 10.000 Euro weniger, die du selbst tragen müsstest. Genau deshalb ist eine korrekt ermittelte Versicherungssumme so wichtig.
Unterversicherungsverzicht: der wichtige Schutz
Gegen dieses Risiko hilft der Unterversicherungsverzicht. Hast du ihn vereinbart, ersetzt die Versicherung den vollen Neubauwert ohne Abzug, selbst wenn die Versicherungssumme zu niedrig angesetzt war. Du bekommst dann immer eine Entschädigung bis zur Höhe der Versicherungssumme, die zur Schadenregulierung ausreicht.
Die meisten guten Tarife enthalten einen Unterversicherungsverzicht, oft setzt er voraus, dass der Wert 1914 korrekt ermittelt oder ein Wohnflächentarif gewählt wurde. Achte beim Abschluss unbedingt darauf, denn dieser Baustein gehört zu den wichtigsten überhaupt.
Tipp von Dennis BeckerDer häufigste Fehler bei der Wohngebäudeversicherung ist eine zu niedrige Versicherungssumme. Achte auf einen Unterversicherungsverzicht und korrekte Angaben zu deinem Haus, dann bist du im Schadensfall auf der sicheren Seite. Tarife mit diesem Schutz findest du im Gebäudeversicherung Vergleich.
Häufige Fragen
Was ist der Wert 1914?
Eine fiktive Rechengröße, die den Wert deines Gebäudes in Goldmark von 1914 angibt. Er dient als stabiler Anker für die Berechnung der Versicherungssumme.
Wie wird die Versicherungssumme berechnet?
Versicherungssumme = Wert 1914 × Baupreisindex ÷ 100. Das Ergebnis ist der aktuelle Neubauwert deines Hauses.
Was ist der gleitende Neuwert?
Beim gleitenden Neuwert passt sich die Versicherungssumme jedes Jahr über den Anpassungsfaktor an die aktuellen Baupreise an, damit keine Unterversicherung entsteht.
Was bedeutet Unterversicherung?
Die Versicherungssumme ist niedriger als der Neubauwert. Im Schadensfall kürzt der Versicherer die Entschädigung dann anteilig (§ 75 VVG).
Was ist ein Unterversicherungsverzicht?
Eine Vereinbarung, mit der die Versicherung den vollen Neubauwert ersetzt, selbst wenn die Versicherungssumme zu niedrig war.
Fazit
Der Wert 1914 ist die feste Basis, aus der sich über den Baupreisindex die Versicherungssumme und damit der Neubauwert deines Hauses ergeben. Beim gleitenden Neuwert bleibt dein Schutz dank des Anpassungsfaktors immer aktuell. Achte auf korrekte Angaben zu deinem Gebäude und auf einen Unterversicherungsverzicht, dann vermeidest du die teure Falle der Unterversicherung. Einen Überblick über das ganze Thema gibt der Ratgeber Wohngebäudeversicherung.
