Grobe Fahrlässigkeit in der Gebäudeversicherung

Unbeaufsichtigte brennende Kerze neben einem Vorhang als Symbol für grobe Fahrlässigkeit

Eine vergessene Kerze, der eingeschaltete Herd, die nicht entleerte Wasserleitung im Winter: Wer einen Schaden grob fahrlässig verursacht, riskiert, dass die Wohngebäudeversicherung die Leistung kürzt. Versicherungsexperte Dennis Becker erklärt dir, was grobe Fahrlässigkeit genau bedeutet, wann die Versicherung kürzen darf und warum ein guter Tarif den Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit enthalten sollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn du die nötige Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt.
  • Bei grober Fahrlässigkeit darf der Versicherer die Leistung anteilig kürzen (§ 81 Abs. 2 VVG).
  • Seit der VVG-Reform 2008 gilt kein Alles-oder-Nichts mehr, sondern eine Quotelung nach Schwere.
  • Mit dem Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit zahlt die Versicherung trotzdem voll.
  • Vorsatz, also absichtliche Schäden, bleibt immer ausgeschlossen.

Was ist grobe Fahrlässigkeit?

Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn du die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt. Du tust also etwas, das jedem einleuchten müsste, dass es gefährlich ist, oder lässt eine offensichtlich nötige Vorsichtsmaßnahme weg.

Wichtig ist die Abgrenzung: Bei einfacher Fahrlässigkeit passiert dir ein gewöhnliches Missgeschick, das jedem unterlaufen kann, hier zahlt die Versicherung voll. Bei Vorsatz führst du den Schaden absichtlich herbei, dann zahlt sie nie. Die grobe Fahrlässigkeit liegt dazwischen, und genau dort wird es für deine Gebäudeversicherung interessant.

Zahlt die Versicherung bei grober Fahrlässigkeit?

Teilweise. Führst du den Schaden grob fahrlässig herbei, darf der Versicherer seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens entsprechenden Verhältnis kürzen. Geregelt ist das in § 81 Absatz 2 VVG.

Früher galt das strenge Alles-oder-Nichts-Prinzip: Bei grober Fahrlässigkeit verlor man den kompletten Anspruch. Seit der VVG-Reform 2008 ist das anders. Heute kürzt der Versicherer die Leistung nur anteilig, je nachdem, wie schwer dein Verschulden wiegt. Diese anteilige Kürzung nennt man Quotelung.

Typische Beispiele für grobe Fahrlässigkeit

Damit du ein Gefühl dafür bekommst, hier typische Beispiele, bei denen Gerichte und Versicherer grobe Fahrlässigkeit annehmen:

  • Brennende Kerze: Du verlässt das Haus und lässt eine Kerze unbeaufsichtigt brennen, es kommt zum Brand.
  • Eingeschalteter Herd: Du gehst weg und lässt die Herdplatte an, ein Feuer entsteht.
  • Frostschaden: Du entleerst die Wasserleitung im Außenbereich vor dem Winter nicht, sie platzt bei Frost und verursacht einen Wasserschaden.
  • Offenes Fenster im Erdgeschoss: Du lässt bei Abwesenheit ein Fenster offen und erleichterst so einen Einbruch.

Ob im Einzelfall wirklich grobe Fahrlässigkeit vorliegt, hängt von den Umständen ab. Ein offenes Fenster im Erdgeschoss gilt eher als grob fahrlässig, im oberen Stockwerk dagegen oft nur als einfache Fahrlässigkeit.

Wie viel kürzt die Versicherung?

Wie stark der Versicherer kürzt, richtet sich nach der Schwere deines Verschuldens. Bei leichter grober Fahrlässigkeit fällt die Kürzung gering aus, bei besonders schwerem Verhalten kann sie bis zu 100 Prozent betragen.

Ein Beispiel aus der Rechtsprechung: Eine Kundin hatte die Herdplatte versehentlich auf höchster Stufe eingeschaltet gelassen, woraufhin ein Brand ausbrach. Das Gericht sah darin grobe Fahrlässigkeit und kürzte die Versicherungsleistung um 25 Prozent. Bei einem Schaden von 40.000 Euro hätte die Kundin also 10.000 Euro selbst tragen müssen.

Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit

Gegen dieses Risiko hilft ein wichtiger Baustein: der Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit. Ist er sauber vereinbart, verzichtet der Versicherer darauf, wegen grob fahrlässigen Verhaltens zu kürzen, und zahlt den Schaden trotzdem voll. Vorsatz bleibt davon aber unberührt und weiterhin ausgeschlossen.

Achte beim Abschluss genau auf diesen Punkt, denn nicht jede Police enthält den Verzicht automatisch, und die Formulierungen sind unterschiedlich weit. Manche Tarife versichern grobe Fahrlässigkeit voll, andere nur bis zu einer bestimmten Höhe oder mit Ausnahmen. Welche Bausteine ein guter Tarif sonst noch haben sollte, liest du im Ratgeber Was deckt die Gebäudeversicherung ab.

Einfache Fahrlässigkeit, grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz

Die drei Stufen des Verschuldens entscheiden darüber, ob und wie viel die Versicherung zahlt. Diese Tabelle fasst es zusammen.

StufeBedeutungLeistung der Versicherung
Einfache Fahrlässigkeitgewöhnliches Missgeschickvolle Leistung
Grobe Fahrlässigkeitschwere SorgfaltsverletzungKürzung möglich (§ 81 VVG)
Vorsatzabsichtlicher Schadenkeine Leistung

Obliegenheiten: deine Pflichten als Versicherungsnehmer

Neben der groben Fahrlässigkeit gibt es im Vertrag noch die sogenannten Obliegenheiten. Das sind Pflichten, die du als Versicherungsnehmer einhalten musst, um deinen Schutz zu sichern. Dazu gehört zum Beispiel die Regelung, ein leerstehendes Gebäude im Winter ausreichend zu beheizen oder die wasserführenden Anlagen regelmäßig zu kontrollieren.

Verletzt du eine solche Obliegenheit, kann das wie grobe Fahrlässigkeit zu einer Leistungskürzung führen. In jedem Fall lohnt es sich, die Pflichten aus deinem Vertrag genau zu kennen, denn sie entscheiden im Schadensfall mit darüber, ob die Versicherung voll zahlt.

Versicherungsexperte Dennis Becker

Tipp von Dennis BeckerDer Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit ist einer der wichtigsten Bausteine überhaupt. Ein vergessener Topf auf dem Herd kann sonst Zehntausende Euro kosten. Achte beim Vergleich darauf, dass dieser Schutz ohne Begrenzung enthalten ist, am besten im Gebäudeversicherung Vergleich.

Häufige Fragen

Was ist grobe Fahrlässigkeit?

Eine besonders schwere Verletzung der nötigen Sorgfalt. Du tust etwas, dessen Gefahr jedem einleuchten müsste, oder lässt eine offensichtlich nötige Vorsichtsmaßnahme weg.

Zahlt die Versicherung bei grober Fahrlässigkeit?

Anteilig. Der Versicherer darf die Leistung je nach Schwere des Verschuldens kürzen (§ 81 Abs. 2 VVG), es sei denn, du hast den Verzicht auf die Einrede vereinbart.

Was sind Beispiele für grobe Fahrlässigkeit?

Eine unbeaufsichtigte brennende Kerze, ein eingeschalteter Herd, eine vor dem Winter nicht entleerte Wasserleitung oder ein offenes Fenster im Erdgeschoss.

Was bedeutet Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit?

Der Versicherer verzichtet darauf, wegen grober Fahrlässigkeit zu kürzen, und zahlt den Schaden voll. Vorsatz bleibt ausgeschlossen.

Was ist der Unterschied zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit?

Bei einfacher Fahrlässigkeit zahlt die Versicherung voll, bei grober Fahrlässigkeit darf sie kürzen. Entscheidend ist die Schwere der Sorgfaltsverletzung.

Fazit

Bei grober Fahrlässigkeit darf die Wohngebäudeversicherung die Leistung anteilig kürzen, seit 2008 nach dem Prinzip der Quotelung statt nach Alles-oder-Nichts. Schon kleine Unachtsamkeiten wie eine brennende Kerze oder ein eingeschalteter Herd können so teuer werden. Der wichtigste Schutz dagegen ist der Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit. Achte beim Abschluss darauf, dann bist du auch bei einem Missgeschick voll abgesichert. Einen Überblick über das ganze Thema gibt der Ratgeber Wohngebäudeversicherung.

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